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Wie geht man mit seiner Trauer um, wenn der geliebte Vierbeiner stirbt? Immerhin muss man damit rechnen, dass einem weniger Verständnis entgegengebracht wird, als wenn man um einen Menschen trauert.

 

Leider haben die meisten Tiere im Vergleich zu uns Menschen eine viel geringere Lebenserwartung. Darüber kann man unglücklich sein, doch alles Hadern hilft nichts. Wer sein Leben mit Tieren teilen und bereichern will - und zwar sein ganzes Leben lang - der wird also wohl oder übel mehrmals schmerzlich Abschied nehmen müssen von einem geliebten vierbeinigen oder gefiederten Familienmitglied.

Ein Hund kann je nach Größe, Rasse oder Mischung – optimistisch betrachtet – ein Alter zwischen zehn und 16, im Höchstfall 17 Jahren erreichen.
Eine Katze wird in der Regel etwas älter und kann mit Glück bis zu zwanzig Jahren alt werden. Doch wie geht man damit um, mit seiner Trauer und Verzweiflung, wenn das Haustier stirbt?

Im Prinzip eigentlich auch nicht anders als, als wenn ein Mensch stirbt, mit dem Unterschied, dass man mit weniger Trost, Rücksicht und Verständnis seitens der Umgebung rechnen muss und mitunter ziemlich alleine mit seinen Gefühlen dasteht. Denn selbst in der eigenen Familie und im engeren Bekanntenkreis wird es immer Menschen geben, die zumindest eine intensive Trauer um ein Tier nicht nachvollziehen können und mit Sätzen wie „Es war doch nur ein Hund“ oder „Du findest sicher eine neue Katze“ wenig hilfreich sind.

 

Trauer um ein Haustier – ist das normal?

Für viele Tierfreunde kann ein Hund oder eine Katze sogar zum Lebensmittelpunkt werden, um den sich alles dreht, zum Beispiel, wenn es sich um einen einsamen Menschen handelt. Und vor allem natürlich für Senioren, die alleine leben, kann ein Haustier zum Partner und Lebensinhalt werden. Wen haben sie denn auch sonst noch? Böse Zungen würden hier abwertend nicht von Partner, sondern bestenfalls von „Partner-Ersatz“ sprechen.

Dahinter steckt schon wieder unser - doch eigentlich inzwischen etwas überholtes - anthropozentrisches Weltbild, nach dem einem Menschen immer nur andere Menschen wichtig oder am wichtigsten sein dürfen. Welch eine Arroganz. Keiner muss sich dafür rechtfertigen oder gar schämen, wenn er ein Tier so sehr liebt wie einen Menschen oder so, wie andere eben ausschließlich Menschen lieben.

Ob das „normal“ oder „in Ordnung“ oder „seltsam“, „befremdend“ oder „krank“ ist, ist hängt von den Umständen und der Lebenssituation ab: Stirbt beispielsweise der Dackel eines alten Menschen, mit dem er zehn Jahre das Leben geteilt hat, ein Hund, der zwischen Weihnachten und anderen Familienfesten die einzige Bezugsperson für ihn war, dann ist dessen Tod ein extrem schlimmer Verlust.

Und daher ist es völlig normal, dass der Tod eines Haustieres in bestimmten Situationen genauso betrauert wird, wie der eines Menschen. Kein Tierfreund sollte sich hier verunsichern oder gar Vorwürfe machen lassen, sondern seine Trauer ausleben und das tun, was ihm nun gut tut. Denken Sie deshalb in dieser Situation an sich und nicht daran, was andere von Ihnen denken! - Es sind nun einmal nicht nur die Menschen wichtig auf dieser Welt!

 

Auf welche Weise ist das Tier gestorben?

Für die Trauer ist es nicht unwesentlich, wie ein Tier gestorben ist. Hat ein Tier seine natürliche Lebenserwartung erreicht und ist dann gestorben oder musste eingeschläfert werden, so fällt es den Besitzern sicher leichter, den Verlust zu verkraften. Denn ist es an Altersschwäche oder zumindest in hohem Alter gestorben, so war daran schlichtweg nichts zu ändern, und damit muss und kann man sich abfinden. Außerdem sind die Besitzer in diesem Fall nicht ganz unvorbereitet.

Anders ist es da schon, wenn ein Tier an einer Krankheit stirbt. Da fragt man sich natürlich: Warum gerade unsere Katze, warum gerade unser Hund oder mein Meerschweinchen? Genau wie wir Menschen, so können auch unsere Haustiere viele verschiedene Krankheiten bekommen, wovon einige unheilbar sind.

 

Schlimm ist es, wenn sich die Tierhalter dann auch noch Vorwürfe machen (müssen), die Anzeichen einer Krankheit nicht erkannt oder unterschätzt zu haben. Vielleicht wurde aber auch eine Impfung versäumt oder sonst eine Leichtfertigkeit oder ein Fehler begangen, wodurch sich die Menschen nun (mit)schuldig fühlen.

Falls das einmal so sein sollte, dann lernen Sie daraus und achten darauf, dass so etwas in Zukunft nicht mehr passiert. Ein Trost kann hier sein, dass man etwas aus der Katastrophe gelernt hat. Wichtig ist in solch einer Situation, dass man wenigstens, was die Pflege des Tieres angeht, nichts verpasst hat, dass man es gerade jetzt, in einer schweren Zeit, während seiner letzten Lebensmonate oder -wochen nicht im Stich und alleine lässt. Alles andere ist verzeihlich.

Bleibt die Möglichkeit eines Unfalls: Abgesehen davon, dass ein plötzlicher schneller Tod als erstrebenswert angesehen wird, ist ein plötzlicher Tod durch ein Unglück für die Hinterbliebenen das Schlimmste, was passieren kann. Man steht unter Schock. Es trifft einen völlig unvorbereitet. Oft hat das verunglückte Tier noch kein hohes Alter erreicht. Und im schlimmsten Fall trifft die Besitzer des Tieres auch noch eine Mitschuld an dem Unfall.

Was kann da noch trösten? Dass man mit solch einer Situation nicht alleine dasteht? Dass auch anderen so etwas passiert? Stellen Sie sich zuerst einmal die Frage: Was ist eigentlich passiert? Verdrängen Sie diese Frage nicht.
Aber grübeln Sie nicht immer wieder über unglückliche Zufälle, die sich nicht mehr ändern lassen, wie etwa: Warum mussten wir gerade in diesem Moment an diesem Ort sein ...? Machen Sie sich lieber Gedanken darüber, wie man in Zukunft solche Unfälle vermeiden kann. Denn das wirklich allerschlimmste wäre, nicht daraus zu lernen.

 

Wie kann man trauern?

Jeder trauert auf seine Weise. Jemand, der keine Tränen (mehr) hat und äußerlich hart und unberührt wirkt, kann genauso am Ende und todunglücklich sein wie jemand, dem man das Elend schon von weitem ansieht oder sogar am Telefon an der Stimme erkennt. Manch einer ist in der ersten Zeit gefasst, vielleicht auch, weil er zunächst andere Familienmitglieder stützen und trösten muss. Dafür bricht es dann später umso stärker aus ihm heraus.

Sicher ist es nicht ungefährlich, den Kummer in sich hinein zu fressen. Ich würde grundsätzlich eher empfehlen, alles herauszulassen und sich auszuweinen. Das muss allerdings nach einer gewissen Zeit auch wieder aufhören oder zumindest stark abnehmen, nicht zuletzt, weil man sonst irgendwann seiner Umgebung schlichtweg auf die Nerven geht. Dann haben nämlich alle Freunde, Kollegen und Verwandten alles zu dem Thema gesagt, was ihnen Tröstendes eingefallen ist.

Paare trauern mitunter verschieden. Von ganz engen Familienmitgliedern, den eigenen Eltern, Kindern oder dem Lebenspartner kann man dagegen natürlich schon erwarten, dass sie auch noch nach der ersten Zeit Verständnis für die anhaltende Trauer zeigen. Häufig schweißen Kummer und Trauer Paare nur noch fester zusammen. Sie sind sich gegenseitig solch eine Stütze, dass ihre Liebe noch größer wird.

Mitunter aber hört man auch, dass sich Paare in ihrem Schmerz voneinander weg bewegen, entfremden oder gar entzweien. Eine einfach Erklärung wäre, dass die beiden schlichtweg ein unterschiedliches Verhältnis zu dem Tier hatten, der eine hing halt mehr an ihm, der andere weniger. Das ist nicht ungewöhnlich. Eine andere Möglichkeit ist jedoch, dass zwar die Liebe zu dem Tier bei den Partnern so ziemlich gleich stark ausgeprägt war, und trotzdem beide Seiten völlig verschieden mit Tod und Trauer umgehen.

 

Was kann trösten?

Der wichtigste Trost ist ganz einfach die Gewissheit, dass ein Tier ein langes und erfülltes glückliches Leben hatte. Es gibt aber auch ein Gegenargument: Ein langes glückliches Leben, das bedeutet natürlich in der Regel, dass man viele Jahre gemeinsam mit diesem Tier verbracht hat, es sei denn, man hat das Tier schon in fortgeschrittenem Alter übernommen. Und je länger man miteinander gelebt hat, umso schmerzhafter ist natürlich dann der Abschied, umso schwieriger ist die Umstellung auf ein ungewohntes Leben ohne das Tier.

Dagegen kann einem ein Tier, das man nur verhältnismäßig kurz hatte, noch gar nicht so viel bedeuten, was natürlich um Gottes Willen nicht heißt, dass man es nicht auch schon lieb hat. Andererseits ist es aber - ganz objektiv gesehen - ein viel größeres Unglück, wenn ein junges Tier stirbt. Das macht eher untröstlich!

Falls Ihr Tier vor kurzem gestorben ist, so tut Ihnen der Verlust im Moment noch sehr weh. Vielleicht, hoffentlich, helfen Ihnen die folgenden Gedanken: Ihr geliebter Hund, Ihre samtpfötige Freundin, Ihr Zwergkaninchen oder Papagei ist gestorben, hoffentlich eines natürlichen Todes und in gesegnetem Alter. Falls dies so ist, so hatten Ihr Haustier und Sie Glück, viel Glück, soviel Glück, dass Sie dankbar sein sollten, dankbar für die (entweder lange oder eben auch kurze) Zeit, die Sie zusammen hatten.

Vielleicht hilft es Ihnen daher nun, sich noch einmal die Bilder aus guten Zeiten, Zeiten des Glücks, ins Gedächtnis zu rufen. Wie haben Sie sich zum erstenmal gesehen, kennen gelernt? Augenblicke des Glücks – wie haben Sie sie erlebt? Erinnern Sie sich. Wie war Ihr Haustier, als es klein war, als Sie es in Ihre Obhut nahmen? – Wann waren Sie wirklich sauer? – Was war schön?

Wenn sich Ihre Katze abends schnurrend auf Ihrem Schoß einigelt, oder wenn Ihr Hund, nachdem er sich sechsmal um sich selbst gedreht hatte, zu Ihren Füßen unterm Schreibtisch niedersinkt, dann sind dies friedliche schöne Momente! Keiner kann sie Ihnen nehmen. Stattdessen sind sie ein wertvoller Schatz, der Sie nun trösten kann.

Wenn einem das Haustier gestorben ist, kann man nicht von vielen Menschen Trost erwarten. Nicht einmal unsere Religion hat für diesen Falle Trost und Zuspruch vorgesehen. Versuchen Sie deshalb nur, wenn es sich nicht vermeiden lässt, mit jemandem, der mit Tieren nichts am Hut hat, darüber zu sprechen. So ersparen Sie sich Ärger, Enttäuschung und Aufregung. Und Kummer haben Sie ja wohl gerade genug.

Es gibt aber nicht nur diejenigen, die nicht verstehen können, dass und wie man um ein Tier trauert. Es gibt auch noch diejenigen, die trotzdem versuchen, ein paar tröstende Worte zu finden. Und das kann mitunter ziemlich daneben gehen. Denen, die es gut meinen und es einfach nicht besser wissen, würde ich das niemals übel nehmen.

Anders verhält es sich mit nahestehenden Personen, die es besser wissen sollten und trotzdem unsensibel und gedankenlos sind. Erwarten Sie also nicht zuviel von Ihrer Umgebung, sondern suchen Sie lieber ein hilfreiches Gespräch mit geistesverwandten Tierfreunden, denn die gibt es ja schließlich auch – zum Beispiel in den Tierschutzvereinen.

Auch wenn es für manchen befremdlich wirkt, wenn man sich nach dem Tod eines geliebten Haustieres schon bald nach einem neuen vierbeinigen Gefährten umschaut, so ist dies doch eine Maßnahme, die den meisten Menschen durchaus über den Verlust hinweghelfen, vom Schmerz ablenken und Trost geben kann. Doch wie soll das neue Tier sein?

 

Ähnlichkeiten und Vergleiche

Ganz wichtig: Ein Nachfolger ist kein Ersatz!!! Zwar nimmt er den Platz des vorherigen Tieres ein, und er wird ihn auch wieder mit Leben füllen und alleine dadurch, dass er nun einmal da ist, viele Defizite und Sehnsüchte stillen und so manchem Schmerz die Spitze nehmen. Aber er kann das von uns gegangene Tier nicht ersetzen. Niemals. Das geht überhaupt nicht, und das hat weder das verstorbene, noch das neue Tier verdient.

Und das ist auch gar nicht notwendig. Denn Leben geht weiter, und alles ändert sich, so eben auch unser Haustierbestand. Deswegen würde ich persönlich niemals ein Tier suchen, dass dem vorherigen ähnlich sieht, oder eines der gleichen Rasse oder Mischung. Aber ich suche mir meine Hunde und Katzen sowieso meist nicht aus, sondern sie laufen mir schicksalsträchtig und folgenschwer über den Weg.

Natürlich gibt es Menschen, die einen Faible für bestimmte Tiere oder Rassen haben: Wer einmal die Charaktereigenschaften eines Boxers oder Schäferhundes oder einer bestimmten Katzenrasse zu schätzen gelernt hat, möchte oft immer wieder solch ein Tier.

Dennoch sollte er sich nun ein Tier aussuchen, das seinem Vorgänger rein äußerlich möglichst wenig gleicht, sich zum Beispiel für eine andere Farbe entscheiden oder einen nicht ganz reinrassigen Vertreter wählen oder nach einem Rüden einmal zur Abwechslung eine Hündin nehmen oder umgekehrt. Und vielleicht kann es ja nach einem heißgeliebten Langhaardackel nun einmal ein rauhaariger oder ein kurzhaariger sein.

Je mehr sich ein Tier rein äußerlich von seinem direkten Vorgänger unterscheidet, desto geringer ist die Gefahr, den Neuzugang dauernd mit dem verstorbenen Tier zu vergleichen – und das ist gut so. Wer nach dem Tod eines Tieres möglichst nahtlos ein möglichst gleiches Tier wiederhaben möchte, versucht häufig den Verlust zu verdrängen – und ist entsprechend häufig enttäuscht.

Denn auch wenn der vorige schwarze Cockerspanielrüde eine wahre Wasserratte war, so kann es gut sein, dass der nächste schwarze Cocker beim Anblick eines Badesees das Grausen kriegt. Kein Husky ist wie der andere und auch kein Rottweiler, Retriever oder Bullterrier. Eine Siamkatze ist verschmust und anhänglich, die nächste vielleicht scheu und zurückhaltend.

Jedes Tier ist ein Individuum. Sie können ja gerne Vergleiche ziehen, aber sie dürfen es keinem Tier übel nehmen, wenn es seinem Vorgänger in manchem „nicht das Wasser reichen kann“ oder einfach nur anders ist.

Daher würde ich auch niemals den gleichen Namen geben. Also, es gibt ja Hundehalter, die im Laufe ihres Lebens Hasso I, II, III und IV hatten, und Katzenfans, die alle ihre Haustiger "Mieze" taufen. Ich frage mich oft, warum die Menschen das tun. Fällt Ihnen nichts ein? Wollen sie sich nicht umgewöhnen? Oder versuchen sie am Ende zu verdrängen, dass es eben nicht mehr Hasso Nummer 1 ist, der da neben ihnen im Körbchen liegt?

Doch natürlich kann es auch Fälle geben, in denen solche Befürchtungen einfach nicht zutreffen. Natürlich kommt es vor, dass Leute anrufen und sich nach unserer Sendung für einen Schützling erwärmen, weil es sie an eines ihrer früheren Tiere erinnert oder einem ähnlich sieht. Und es kann durchaus die optimale Lösung und ein Happy End wie sechs Richtige im Lotto sein, wenn es daraufhin zu einer Vermittlung kommt. Das muss auch jeder selbst entscheiden.

Es gibt bestimmt viele Menschen, die - selbst wenn das neue dem vorangegangenen oder einem früheren Tier äußerlich extrem ähnlich ist - überhaupt nicht auf die Idee kommen, es müsse nun auch charakterlich dem Vorgänger-Tier gleichen und sogar sehr gut mit den Unterschieden klarkommen. Außerdem ist es sicher auch etwas anderes, ob es sich um den direkten Nachfolger handelt oder ob man dazwischen einmal ein anderes Tier hatte.

 

(K)ein neues Tier?

Immer wieder erreichen mich Anrufe und Briefe, in denen mir Tierhalter ihr Leid klagen über den Verlust eines Haustieres. Oder ich spreche mit Freunden oder Nachbarn, deren Hund oder Katze kürzlich gestorben ist. Viele teilen bereits im nächsten Atemzug mit: „Das war jetzt aber unser letzter Hund/unsere letzte Katze“.
Dafür gibt es vor allem drei Gründe:

Die wiedergewonnene Freiheit:
Manch einer, der jahrelange Tiere oder ein Tier nach dem anderen gehalten hat, möchte nun endlich auch spontan (ver)reisen, ohne sich um die Betreuung des Vierbeiners kümmern zu müssen. Andere fühlen sich inzwischen einfach zu alt oder zu krank für ein eigenes Tier.

Aber vielleicht nehmen sie gerne noch zwei-, dreimal im Jahr den Hund der Enkelin oder einen anderen Pflegling auf. Schließlich haben sie ja Erfahrung. Oder sie füttern gerne und äußerst liebevoll die Nachbarkatze, wenn deren Dosenöffner im Urlaub ist. – Auch solche Menschen brauchen wir.

 

Angst vor dem neuerlichen Verlust:
Ebenfalls sehr häufig kommt es vor, dass Tierfreunde über ihre Trauer und den Schmerz durch den Tod ihres Tieres so entsetzt sind, dass sie so etwas nie wieder erleben möchten. Und um das auszuschließen, nehmen sie sogar in Kauf, in Zukunft auf ein geliebtes Haustier zu verzichten.
Typische Äußerungen: „Jetzt ist Schluss. Noch einmal will ich das nicht mitmachen.“, „Als Felix starb, das war so furchtbar. Tagelang haben wir nur geheult.“ oder: „Das kann ich nicht noch einmal ertragen. Das war jetzt endgültig unser letzter Hund!“

Schätzungsweise in der Hälfte aller Fälle überlegen es sich die „verwaisten“ Tierhalter und -freunde früher oder später anders: „Zu leer“ kommt ihnen auf Dauer die Wohnung ohne Hund oder Katze vor. „Es fehlt halt einfach etwas.“ Richtig, genauso ist es. So ganz ohne geht es eben auch nicht. Und deswegen ist es die für alle Beteiligten beste Lösung, zum nächsten Tierschutzverein zu gehen und nach einem neuen vierbeinigen Familienmitglied Ausschau zu halten. Es wird Ihnen dankbar sein.

Die andere Hälfte, also diejenigen, die hart bleiben und nicht von ihrem Vorsatz abweichen, können sich nützlich machen, nämlich indem sie anderen Tierhaltern helfen, oder – noch besser – den Tierschützern, zum Beispiel als Gassi-Gänger, Hunde-Sitter, Katzen-Fütterer, Pflegeplatz oder Urlaubsstelle. Auch so ist allen geholfen: Die – vielleicht nach wie vor trauernden – Ex-Tierhalter haben wenigstens zeitweise wieder ein Tier um sich.

 

Pietät:
Die dritte Gruppe empfindet es als eine Form von Verrat gegenüber dem verstorbenen Tier, wenn sie sich wieder ein neues anschaffen. Als ob sie im Nachhinein einer toten Katze oder einem verstorbenen Unrecht oder Leid zufügen würden, weil ein anderes Tier nun dessen Platz einnehmen darf. Aber das heißt ja noch lange nicht, dass man den Vorgänger vergisst oder weniger liebt oder geliebt hat. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.

 

(K)ein Trauerjahr für Tiere?

Doch zurück zur so genannten „angemessenen Trauerzeit“ oder Pause. Sie darf sich keinesfalls danach richten, was andere denken oder denken könnten. „Kaum ist Hasso unter der Erde, schon hat er einen neuen.“ Kümmern Sie sich nicht darum, was andere sagen. Denken Sie eher an die vielen traurigen Schicksale in unseren Tierheimen, an die herrenlosen Hunde, Katzen und Kleintiere.

Denn viele von ihnen leiden selbst in einem guten Tierheim, weil sie ein eigenes Zuhause und eine Bezugsperson (oder mehrere) möchten, ein eigenes Rudel. Für sie ist jeder Tag des Wartens ein verlorener Tag, und jeder Tag, den sie weniger im Tierheim verbringen, ist ein Geschenk. Und gerade für die vielen älteren Tiere läuft die Zeit. Haben Sie also keine Hemmungen, auch schon kurz nach dem Tod eines Haustieres, mit der Suche nach einem Nachfolger zu beginnen. Sie tun damit etwas Gutes. Und das ist es, was zählt. Und Sie selbst wird das sicher auch wieder glücklicher machen.

 

Sonderfall Hamster & Co.

Es gibt Heimtiere, die von vornherein eine geringe Lebenserwartung haben, zum Beispiel etliche Nager wie Hamster, Farbratten und Mäuse. Sie werden nur zwischen zwei und allerhöchstens drei Jahren alt. Da kann ein Nachfolger schnell zur Gewohnheit werden. Und weil gerade diese Tiere häufig für Kinder oder Jugendliche angeschafft werden, müssen sich auch die jungen Tierhalter ans ständige Sterben und „Auswechseln“ gewöhnen.

Entweder leiden die Kinder unter dem ständigen Abschiednehmen und unter Angst, wann es denn wieder so weit ist, und weinen sich die Augen aus. Oder sie gewöhnen sich daran und stumpfen ab. Routinemäßig wird nach dem Ableben ein neues Tier gekauft, notfalls eben alle zwei Jahre. So ein kleines Kerlchen kosten ja auch nicht viel. Man kann es leicht ersetzen wie ein kaputtes Spielzeug, und bekommt es überall.

Beide Reaktionen können ja wohl nicht erwünscht sein, was wieder einmal zeigt, dass diese kleinen Nager nicht unbedingt geeignete Haustiere für Kinder sind.

 

Euthanasie

Der Begriff Euthanasie leitet sich aus dem griechischen Wort Euthanasia ab, und das bedeutet „schöner Tod“. Die Vorsilbe eu lässt sich mit „wohl, gut, schön, reich“ übersetzten; thanatos heißt „Tod“. In der Antike meinte man damit einen angenehmen, schnellen, leichten und schmerzlosen Tod, allerdings ohne das Eingreifen anderer Personen wie beispielsweise eines Arztes.

Dagegen verstehen wir heute unter Euthanasie Sterbehilfe für unheilbar Kranke und Schwerverletzte, um diese von ihren Leiden zu erlösen und den Todeskampf abzukürzen. Beim Menschen ist das ziemlich kompliziert und aus ethischen, religiösen und juristischen Gründen entsprechend umstritten, wobei zwischen passiver und aktiver Sterbehilfe sowie Sterbenachhilfe (d.h. lebensverkürzend) unterschieden wird.

Bei Haustieren ist die Möglichkeit der Euthanasie inzwischen eine Selbstverständlichkeit geworden, was jedoch noch lange nicht heißt, dass diese Entscheidung für den Besitzer eines Tieres einfach ist. Im Gegenteil, die Wahl des richtigen Zeitpunktes verunsichert oder überfordert gar viele Tierfreunde.

 

Chancen und Risiken

Wir sollten froh sein, dass uns die Medizin die Möglichkeit gibt, einem Tier ein qualvolles Ende zu ersparen. Aber natürlich birgt das gleichzeitig die Gefahr des Missbrauchs. Wenn es diese Gefahr nicht gäbe, wäre die Euthanasie bei Menschen ja auch nicht so umstritten und in Deutschland nach wie vor verboten.
Doch zurück zu den Tieren:

Es kommt immer wieder vor, dass Tierhalter ihr Haustier einfach einschläfern lassen möchten, um es loszuwerden, sozusagen statt es auszusetzen oder ins Tierheim zu bringen. Doch damit es keine Missverständnisse gibt: So selbstverständlich ist Euthanasie nun auch wieder nicht! Wer (s)ein Tier grundlos einschläfern lässt, macht sich strafbar, und der Tierarzt, der es tut, natürlich ebenfalls.

Auch der Besitzer eines Tieres darf nicht mit ihm machen, was er will. Selbst ein fortgeschrittenes Alter oder eine Krankheit, die behandelt werden oder durch Medikamente wenigstens unter Kontrolle gehalten werden kann, sind kein Grund. Das gleiche gilt für finanzielle Erwägungen, etwa wenn jemandem die Operation für die angefahrene Katze zu teuer ist oder ein anderer für seinen Bernhardiner nicht mehr das Futter bezahlen kann oder will.
In solchen Fällen und Nöten können andere Lösungen gefunden werden, selbst wenn dann wieder einmal der Tierschutz das Problem aufs Auge gedrückt bekommt. Das ist immer noch besser, als dem Tier diese Chance zu verweigern.

Entsprechend verweigern Tierärzte häufig die Tötung eines Tieres, wenn es keinen Grund dafür gibt. Aber dann geht so mancher Tierhalter einfach zu einem anderen Veterinär. Irgendeiner wird es schon machen, zumal etliche niedergelassene Tierärzte eher zu wenig als zu viel zu tun haben.

So kommt es, dass engagierte Tierärzte bei solch einem Anliegen umgehend den Tierschutz verständigen. Je nachdem, wie sie die Gefahr für das Tier einschätzen, behalten sie es mitunter sicherheitshalber gleich in ihrer Praxis, um es später von Tierschützern abholen zu lassen. Oder sie tun mitunter sogar so, als würden sie einschläfern, bringen aber stattdessen den bedauernswerten Todeskandidaten heimlich zum Tierschutz zwecks Vermittlung oder Organisation eines Altersruhesitzes.

Dagegen muss ein Tierarzt, der nachweisbar ein gesundes Tier eingeschläfert hat, mit einer Anzeige rechnen, es sei denn, es hat sich um ein aggressives Tier gehandelt, das eine wirkliche Gefahr für seine Umgebung bedeutet, was eigentlich nur für einen (größeren) Hund gelten kann.

Natürlich gibt es auch Tierhalter, die, wenn sie ihr Tier töten lassen möchten, einfach behaupten, ein Hund hätte gebissen und wäre gefährlich. Aber auch das muss ein verantwortungsvoller Tierarzt hinterfragen. Gibt es Atteste über Verletzungen? Oder: Warum gehen die Leute mit diesem Anliegen nicht zu ihrem eigenen langjährigen Tierarzt – vielleicht, weil dieser seinen Patienten zu gut kennt, nämlich als braven und gutmütigen Vertreter?

 

In der Praxis oder zu Hause?

Ich würde jedem empfehlen, alles dafür zu tun, dass ein Tier seine letzten Atemzüge in der vertrauten Umgebung zu Hause tun darf und nicht noch in eine Tierarztpraxis geschafft werden muss, an einen Ort, der ihm mit großer Wahrscheinlichkeit sein Leben lang extrem unangenehm war und Angst gemacht hat. Ein guter Tierarzt sollte dies möglich machen.

Andere plädieren allerdings für die Arztpraxis als Ort der Euthanasie, und zwar ganz einfach dann, wenn nicht sichergestellt ist, dass die Durchführung absolut störungsfrei verläuft. Entscheiden Sie rechtzeitig vorher, wer bei dem Tier dabei bleibt und wer nicht. Nicht, dass es dann zum ungünstigsten Moment noch zu aufgeregten Diskussionen kommt. Kinder sollten durchaus dabei sein, wenn sie es möchten und sensibel genug sind, dem sterbenden Tier in diesem Moment beizustehen.

Fazit:

Wählen Sie den Zeitpunkt der Euthanasie einzig im Interesse des Tieres aus.

 

Lassen Sie sich, was den Zeitpunkt angeht, nur von Ihrem Tierarzt oder sehr nahestehenden bzw. erfahrenen und sensiblen Personen beraten.

 

Falls Sie einer medizinischen Diagnose misstrauen, konsultieren Sie so früh wie möglich einen zweiten Arzt.

 

Lassen Sie Ihr Tier möglichst in den eigenen vier Wänden sterben.

 

Lassen Sie es in seinem letzten Moment auf keinen Fall allein.

 

Konsultieren Sie für die Euthanasie wenn möglich Ihren eigenen Tierarzt, der Sie und seinen Patienten entsprechend gut kennt.

 

Was bedeutet Einschläfern?

Einschläfern ist eigentlich ein völlig unsinniges Wort für das, was wirklich damit gemeint ist. Wenn ich ein Baby mühevoll in den Schlaf schaukle oder einem Kleinkind so lange vorlese und mit ihm kuschle, bis es endlich in den Schlaf hinübergleitet, dann lässt sich dieser Vorgang genau und wörtlich genommen viel eher als „einschläfern“ bezeichnen, als wenn man jemanden das Leben nimmt.

Mit diesem falschen Wort machen wir uns also bereits etwas vor, denn selbstverständlich schläft das Tier nach der Todesspritze nicht, sondern es stirbt! Selbst wenn wird das Hinübergleiten in den Tod als Einschlafen empfinden und bezeichnen, so ist es doch ein Einschlafen für immer, eines ohne jemals wieder aufzuwachen. Bei Menschen spricht man daher auch von „entschlafen“.

Was passiert eigentlich genau, wenn ein Tier eingeschläfert wird? Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Die bei uns gängige und wohl ideale Methode bei einem Hund ist die, ein überdosiertes Barbiturat, also ein Schlaf- oder Narkosemittel, in die Vene zu injizieren. Sofort verliert das Tier das Bewusstsein. Es folgen der Atem- und schließlich der Herzstillstand.
Durch die intravenöse Verabreichung des Barbiturates tritt der Bewusstseinsverlust schnell und schmerzfrei ein. Falls die Dosis nicht reichen sollte, wird ein zweites Mal gespritzt. Das Tier bekommt das schon nicht mehr mit.

 

Voraussetzungen für diese sehr friedliche Methode sind, das der Arzt geübt genug ist, die Vene zu treffen und dass das Tier sich nicht widersetzt. Im letztgenannten Fall würde ansonsten noch eine Sedation, also eine Beruhigungsspritze oder ein Tranquilizer, notwendig, bevor das Barbiturat in die Vene gespritzt wird.

Beim Suchen der Vene steht der Tierarzt in dieser besonderen Situation unter einem speziellen Erfolgsdruck, denn wenn er nicht richtig trifft, verursacht dies dem Tier Schmerzen.
Tun Sie als Tierhalter daher alles, um den Tierarzt nicht nervös zu machen, vor allem wenn es sich um einen jüngeren Mediziner handelt, der vielleicht noch nicht so viel Erfahrung hat. Zeigen Sie ihm stattdessen, wie sehr Sie ihm vertrauen, und stellen Sie nicht gerade in diesem Moment die kompliziertesten Fragen.

 

Tierfriedhöfe

In allen Epochen und ganz verschiedenen Kulturen war es den Menschen ein großes Bedürfnis, ihre Angehörigen zu bestatten. Je nach Land, Zeitalter und Religion geschah dies in ganz unterschiedlicher Form und vor allem mit unterschiedlichem Aufwand:
Von den Pyramiden, in denen mit dem Pharao unglaubliche Schätze und am liebsten auch gleich noch dessen halber Hofstaat mitbegraben wurde, bis zum schlichten Holzkreuz oder gar Massengrab gibt und gab es alle nur erdenklichen Varianten.

Offensichtlich ist es uns Menschen also wichtig, was mit unseren Toten geschieht. Wir brauchen Begräbnisrituale. Das gilt auch für unsere Haustiere. Schon der Pharao nahm bekanntlich seine Lieblingstiere gerne mit ins Grab.
Das wollen wir hier aber nicht zur Nachahmung empfehlen, denn das arme Tier starb ja in den seltensten Fällen von Natur aus gleichzeitig mit seinem Herrn, sondern wurde in der Regel extra zwecks Doppel- oder Gruppenbegräbnis umgebracht.

Das ist vergleichbar mit einem leider heute sehr weit verbreiteten Gedanken, nach dem erstaunlich viele Tierhalter bestimmen, dass ihr Haustier, meistens Hund oder Katze, nach ihrem Tod eingeschläfert werden sollen, weil kein Angehöriger da ist, der sich dem Tier annehmen würde.

Ich erinnere mich an den Fall, wo eine engagierte Frankfurter Ärztin einen völlig unproblematischen und daher leicht zu vermittelnden, erst fünfjährigen (!) Mischling einfach einschläfern sollte, weil sein Frauchen ins Pflegeheim kam und dachte, das sei das beste für ihren Liebling.
Das ist eine Mischung aus falscher Liebe und Sentimentalität und grenzenloser Arroganz. Wie können diese Menschen sich so sicher sein, dass ihr Tier bei keinem anderen Menschen glücklich sein könnte?

Geradezu unerträglich ist vielen Tierhaltern das, was unsere Gesellschaft eigentlich generell als Lösung des Problems vorsieht. Wohin mit dem Kadaver? (Ja, jetzt sage ich Kadaver, ganz einfach, weil ihn in der Frage der Entsorgung andere als solchen bezeichnen.) Zum Abdecker oder – etwas zeitgemäßer ausgedrückt – in die Tierkörperverwertungsanstalt.

Die Tierleiche als Rohstofflieferant, woraus dann verschiedene Produkte gewonnen werden. Einerseits ist es ja ganz sinnvoll, immer möglichst alles noch zu verwerten. Andererseits möchten sich viele einfach nicht vorstellen müssen, wie aus ihrem Haustier Fett und Seife gemacht wird, Tierkörpermehl oder Gelatine oder sonst was.